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Mein Kessel ist zu alt - was tun?
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Handwerksmeister Richard Haeusler
Handwerksmeister Richard Häusler führt einen SHK-Betrieb mit 15 Mitarbeitern in München-Englschalking.
[Quelle: ZVSHK]
Über viele Jahre hat die Heizung ihren Dienst getan und soll jetzt zum alten Eisen? Was kommt auf den Nutzer zu? Welche Überlegungen stehen an, wie groß ist der Aufwand, muss er gar mit Unannehmlichkeiten rechnen? Richard Häusler, Meister im Heizungsbau, hat die Antworten.

Meine Heizungsanlage aus den 70er Jahren arbeitet noch immer zufriedenstellend, soll aber laut Schornsteinfeger erneuert werden, warum?
Der Vergleich zum Auto mag ein wenig hinken, doch ein 30 Jahre alter Heizkessel im Keller ist ein Energiefresser, für den eine gesetzliche Erneuerungsfrist gilt. Moderne Heizungsanlagen verbrauchen viel weniger Energie, stoßen bedeutend weniger Schadstoffe aus und die Wärmeausbeute wird bei weitem besser genutzt. Einsparungen beim Brennstoff von gut 20 Prozent sind durchaus drin, das ist meine Erfahrung.
Ich möchte bei der Heizungs-Erneuerung wiederum eine langfristige Lösung. Welche Vorteile ergeben sich bei Gas, bei Öl oder mit einer Pellet-Anlage?
Ich möchte lediglich die Vorteile der einzelnen Systeme nennen: Für das Heizen mit Erdgas lässt sich eine sehr kompakte Anlage installieren, die keinen Brennstofflagerraum benötigt. Diese Energieart steht bereit, sie verbrennt geräusch- und schadstoffarm. Abschlagszahlungen für den Brennstoff teilen die
Energiekosten in überschaubare Größenordnungen.
Und bei Heizöl?
Da haben Sie einen Energieschatz zur Verfügung, der an sehr vielen Standorten
realisierbar ist. Moderne Ölheizungssysteme – damit meine ich Öl- Brennwerttechnik in Verbindung mit schwefelarmem Heizöl – stellen übrigens im
Gegensatz zu früher keine Geruchsbelästigung mehr da. Auch kann man in gewissem Rahmen Einfluss nehmen auf die Energiekosten, wenn man zu preisgünstigen Zeiten einkauft.
Pellet-Heizungen haben sich in den letzten Jahren als Alternative einen Namen gemacht, warum?
Nun, weil der Brennstoff derzeit günstig eingekauft werden kann, weil nachwachsende Ressourcen genutzt werden und weil Holz mit einer sehr niedrigen Umweltbelastung verbrennt. Allerdings konnte ich dies bisher nur dort realisieren, wo genügend Platz für die Heizung und die Lagerung der Pellets vorhanden war.
Lohnt sich bei einer vorhandenen Ölheizung eine Modernisierung des Systems oder bietet sich eine Umstellung an?
Wenn sich der Öltank im Keller oder im Erdreich in einem einwandfreien Zustand
befindet, spricht nichts gegen den Einbau einer modernen Ölheizung. Bei einer Umstellung müsste man schließlich auch die Entsorgungskosten der Tankanlage berücksichtigen sowie weitere Anschlusskosten.
Lohnt sich die Einbeziehung einer Solaranlage für die Warmwasserbereitung?
Wird viel warmes Wasser verbraucht – das kann im Vier-Personen-Haushalt
durchaus der Fall sein – lohnt sich die Kombination allemal. Über den Daumen
gerechnet gehen 20 Prozent der Heizkosten für Warmwasser drauf. Eine Solaranlage übernimmt von diesen 20 Prozent Heizkosten zwei Drittel.
Welche Heizung und welchen Energieträger nutzen Sie bei sich zu Hause –
und aus welchem Grund?
Wir haben eine moderne Ölheizung, da in der Straße keine Gasleitung ist.
Ob Gas oder Öl – können bei einer neuen Brennwertheizung vorhandene Heizkörper und Leitungen genutzt werden?
Die können verbleiben, wenn sie groß genug dimensioniert sind. Auch wären
Thermostatventile nachzurüsten, wenn noch nicht geschehen. Der alte Schornstein allerdings benötigt ein neues Innenrohr. Es lässt sich im Einfamilienhaus in etwa zwei Stunden einziehen.
Wie lange dauert ein Kesselaustausch?
Im Einfamilienhaus wird am zweiten Tag wieder eingeheizt. Mit Heizstrahlern
kann man diese zwei Tage überbrücken. Auch im tiefsten Winter wechsele ich
mit meinen Mitarbeitern Kessel.
Mit wie viel Unannehmlichkeiten, Lärm und Dreck ist bei einer Heizungsmodernisierung zu rechnen?
Es wird natürlich staubig. Das beschränkt sich jedoch auf den Heizungskeller. Zwischen Haustüre und dem Standort der Altanlage wird ein Vlies verlegt, das den Fußboden schützt. Das Schwierigste für uns ist der Transport von Altkessel und Neuanlage, Lärm und Schmutz entstehen dabei in der Regel kaum. Im Ausnahmefall müssen große alte Gussheizkessel für den Transport in einzelne
Glieder zerlegt werden. Wohnräume betreten die Monteure meist nur einmal
zum Entlüften der Heizkörper, dabei sorgen Überschuhe für Sauberkeit.
Welche Kosten sind bei einem Kesseltausch oder bei der Erneuerung einer
Therme zu veranschlagen?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Man könnte auf ein Billiggerät setzen oder
Wert legen auf ein Heizungssystem, für das Verschleiß- und Ersatzteile verfügbar sind und das mit einem Leistungspaket aufwarten kann, zu dem schnelle Hilfe im Störfall gehört. Außerdem muss man berücksichtigen, ob Komponenten wie Warmwasserspeicher, Schornstein, oder Tank vorhanden sind und weiter genutzt werden sollen. Entscheidet man sich zum Beispiel für moderne Brennwerttechnik im Einfamilienhaus mit einem 160-Liter-Warmwasserspeicher, so kann man sich auf etwa 7000 Euro für eine solide Lösung einstellen.
Wie viel Heizkosten lassen sich Ihrer Erfahrung nach sparen bzw. wann wird
sich meine Investition amortisieren?
Manche Hersteller versprechen Einsparungen bis zu 35 Prozent – ich bin da
vorsichtig. Wie mir Kunden in der Regel rückmelden, sind es gut 20 Prozent,
beim Austausch sehr alter Kessel auch mehr. Dass jemand nichts spart, kommt
auch gelegentlich vor. Das passiert, wenn er sich nach der Modernisierung
erheblich mehr an Heizleistung genehmigt, weil die Neu-Anlage ja sparsamer
ist. Dann ist es sicher angenehm warm, aber die Kostensenkung bleibt aus.
Sie raten zu einem Wartungsvertrag, muss das sein?
Auch hier ist es wie bei einem Auto: Wer nie zur Inspektion fährt, darf sich nicht
beklagen, wenn das gute Stück liegen bleibt. Bei einer regelmäßigen Wartung
fällt Verschleiß auf und die Gebrauchsspuren werden beseitigt. Ein Millimeter
Ruß auf der Heizfläche etwa senkt den Wirkungsgrad einer Brennwertheizung
um 5 Prozent. Deshalb reinigt der Servicetechniker die Heizflächen, kontrolliert den Energieverbrauch, nimmt eventuell Justierungen am Brenner vor oder füllt Heizungswasser nach. Per Computer erstellt er zudem ein Abgas-Protokoll.
Und schließlich ist es ein gutes Gefühl, wenn der Fachmann die einwandfreie Funktion der Anlage attestiert.

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